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Soziale Brücken – Armut und Wohnungsnot gehen uns alle an

Sie sind jung oder alt, berufstätig oder arbeitslos. Sie haben Partner*innen, Familie und Kinder oder sind alleinstehend. Ihre Lebenswege sind ganz unterschiedlich verlaufen, alle haben ihre ganz eigene Geschichte. Sie alle leben in Berlin. Aber sie haben keine Wohnung. Berlin ist ein Sehnsuchtsort. Nicht nur aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt zieht es Menschen in die Metropole. Und auch, wenn das Wachstum langsam abnimmt, verlassen jährlich deutlich weniger Menschen die Stadt, als hinzukommen. Dass Berlin so anziehend ist, macht den Wohnraum unglaublich attraktiv, teurer und knapper.

Berlin – sexy, aber arm

Viele Menschen, die nach Berlin ziehen, träumen von einem besseren Leben. Wenn keine Arbeit gefunden wird, oder die Arbeit nicht bezahlt wird, und kein Anspruch auf  Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe bestehen, landet man schnell auf der Straße. Aber auch für Menschen, die ein niedriges Einkommen haben oder Transferleistungen beziehen, ist es in vielen Bezirken mittlerweile nahezu unmöglich, geeigneten Wohnraum zu finden. Die Anforderungen an die Mieter*innen auf dem normalen Wohnungsmarkt sind hoch. Bereits durch einen  Schufa-Eintrag kann die Wohnungssuche zu einer ausweglosen Situation werden. Doch auch wer eine Wohnung hat, kann diese verlieren. Kündigung wegen Eigenbedarf, erhebliche Mieterhöhungen, die man nicht mehr bezahlen kann, aber und auch finanzielle Ausnahmesituationen können dazu führen, dass der Verlust des eigenen Wohnraums droht.

Abgehängt von Wohnungsmarkt und Existenzsicherung

Die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt ist besonders schwierig für die Menschen, die am stärksten benachteiligt sind. Menschen, die kaum finanzielle Mittel haben, womöglich krank sind oder eine persönliche Krise durchleben. Neben dem Fehlen von bezahlbarem Wohnraum, können Missstände in der Sozialpolitik den Verlust der eigenen Wohnung unter Umständen sogar begünstigen. Zu niedrige Richtsätze für angemessenen Wohnraum oder behördliche Sanktionen lassen Mietschulden mitunter überhaupt erst entstehen. Die prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere für Menschen ohne Ausbildung, erschweren eine selbständige Existenzsicherung zusätzlich.

Gemeinsam gegen Armut

Dabei sind Armut und Wohnungslosigkeit in Berlin kein neues Phänomen. In den 1970er Jahren war die Wohnungsnot beispielsweise ähnlich hoch wie heute. Aus dieser Situation heraus entstanden damals viele Initiativen, um gemeinsam Menschen ohne Obdach zu helfen. In den 1980er Jahren forderte der Berliner Winter so viele Kältetote, dass als Reaktion die Berliner Kältehilfe entstand. Bis heute ist sie ein bedeutsames Netzwerk aus unterschiedlichen Sozialen Trägerorganisationen, Kirchengemeinden und, ehrenamtlichen Projekten, dass mittlerweile von  und Politik und Wohlfahrtsverbänden  gut dabei unterstützt wird, die lebensbedrohlichen Wintermonate mit zusätzlichen Hilfen zu überbrücken. Die Stadt und ihr Hilfesystem haben sich seitdem weiterentwickelt, trotzdem hat sich Situation von hilfebedürftigen wohnungslosen Menschen erneut zugespitzt. Damals wie heute schaffen Soziale Träger, ehrenamtliche Projekte und bürgerliche Initiativen Strukturen, um der zunehmenden Armut und Wohnungslosigkeit entgegenzuwirken. Wir, sozial.berlin, sind Teil dieses Hilfesystems. Mit unserer Arbeit bieten wir Menschen unterschiedliche Wege in sichere Wohnverhältnisse. Wir leisten wirksame Unterstützung bei der Sicherung ihrer materiellen Existenz, in dem wir Zugang zu Wohnraum und Elementarversorgung schaffen. Darüber hinaus sind wir für Menschen mit seelischen Notlagen und Krankheiten da und fördern  die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, um soziale Isolation verhindern. Mit unseren Angeboten wollen wir Berlin mitgestalten und zu einem noch lebenswerteren Ort für alle machen.

Armut und Wohnungslosigkeit gehen uns alle an

Die Folgen von Armut und Wohnungslosigkeit sind nicht nur für die betroffenen Menschen gravierend. Sie wirken sich auf die gesamte Gesellschaft aus. Andauernde soziale Ungleichheit und Ausgrenzung verursachen enorme Kosten und fördern die Unzufriedenheit, Sorgen und Ängste in der Gesamtbevölkerung. Armut manifestiert sich, menschliche Ressourcen verkümmern, statt wertvolle Beiträge leisten zu können. Um diesen Entwicklungen wirksam entgegenzuwirken, müssen Politik, die Akteure des Hilfesystems und die Bevölkerung gemeinsam an einem Strang ziehen. Wohnen ist ein Grundrecht, dass eine Voraussetzung für ein gelingendes Leben in der Gesellschaft ist und darüber hinaus gesellschaftliche Stabilität schafft.  Eine menschenwürdige Unterkunft  sollte jeden Menschen zugänglich sein. Dieses Recht für alle möglich zu machen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur zusammen können wir soziale Brücken bauen und neue Perspektiven schaffen – für ein soziales Berlin.

© Foto: Christian Lue on unsplash.com